Legende der Hexen - 3

 

„Nun wird es Zeit für euch, zu schlafen und zu lernen, der Teil von euch, der von mir ist, der wird ewig leben, dies ist mein Geschenk für euch.“

 

Es war, als würde eine große Hand uns greifen und sanft auf den Boden legen, wo wir in den Schlaf hinüber glitten und der Schmerz sich auflöste. Die letzten Worte, die wir von ihr hörten, waren....

 

„Fünf Wege müssen sie erlernen:

 

Die Jagd

 

Die Heilung des Körpers

 

Die Heilung des Geistes

 

Die Heilung der Seele

 

Die geheimen Mächte

 

Alles wird in euch sein und um euch herum. Lebt in meinem Weg.“

 

Der alte Mann am Kamin seufzte. Er kam für einen kurzen Augenblick aus einer längst vergangenen Zeit. Seine vom Alter gezeichneten Hände griffen einen Holzscheit und warfen ihn in die kleiner gewordenen Flammen. Einige weitere ließ er folgen. Als er sich wieder setzte, sah er mich an. Für einen kurzen Augenblick hatte ich das Gefühl, einen kleinen frechen Jungen vor mir zu haben, der einen Streich ausheckte.

 

Er legte mir seine Hand auf die Schulter und sagte zu mir, dass es nun beginnen würde. Ich ging in diesem Moment noch davon aus, dass er die Geschichte meinte, die er mir erzählte. Aber so war es nicht...

 

Seine Hand glitt von meiner Schulter und er nahm wieder Platz.

 

Er sagte, er würde noch kurz einen Schluck trinken und eigentlich hätte es zu diesem Moment und dieser Situation gepasst, wenn ein alter Kelch in seiner Hand aufgetaucht wäre, aber das war nicht der Fall, stattdessen trank er einen Schluck Tee aus einer mehr als kleinen und zierlichen Tasse.

 

Als ob er meine Gedanken erriet, lachte er viel vor sich hin.

 

Weißt du Junge, Wissbegierde ist eine der stärksten Triebfedern der Menschen, allerdings bringt sie manchmal Ergebnisse mit sich, die man nicht erwartet.

 

Aber lass mich weiter erzählen...

 

Als wir erwachten, stellten wir nicht nur fest, dass sich unsere Gedanken verändert hatten, nein, es schien auch nicht der nächste Morgen zu sein.

 

Wir erfuhren später, dass fast ein Monat vergangen war.

 

Unser Rückweg, den wir gemeinsam antraten, war nun vorbestimmt. Wir kehrten nicht zu unseren jeweiligen Gruppen zurück, sondern wanderten zu dem Versammlungsplatz. Dieser wurde, wie der Name sagte, dafür verwendet, damit sich dort alle Gruppen friedlich versammeln konnten, für Handel, Verhandlungen, Austausch von Informationen und vielem mehr. Der Weg dorthin, obwohl nur drei Tage entfernt, nahm weit mehr Zeit in Anspruch als unser fünftägiger Weg, wo wir die Göttin trafen. Das lag wohl daran, dass wir wieder schlafen mussten.

 

Dort angekommen, entzündeten wir das große Signalfeuer, dass alle zusammenrufen würde. Von nun an hieß es warten. Es würde mehrere Tage dauern, bis alle Gruppen beisammen wären.

 

Die folgende Nacht war für uns mehr als ereignisreich, denn es war wieder eine Vollmondnacht, nur das diese anders war als alle bisherigen in unserem Leben. Den Weg hierher hatten wir schweigend verbracht. Auch in dieser Nacht sprachen wir nicht, jedenfalls bewegten sich unsere Lippen nicht.

 

Man könnte es eigentlich so beschreiben, dass unsere Gehirne zusammengeschlossen wurden, wir sprachen in unseren Gedanken miteinander, nicht nur wir fünf , sondern auch die beiden weiblichen Wächter waren an diesem Gespräch beteiligt, auch wenn sie körperlich nicht einmal in unserer Nähe waren.

 

Die Themen dieser geistig geführten Konferenz waren die bewusste Feststellung nicht nur unserer Veränderung, sondern wie unser weiteres Leben verlaufen sollte, die Aufgaben, die wir hatten, das Wissen, welches wir nun in uns trugen und die Mächte, die wir besaßen.

 

Auch wurde uns bewusst, wie stark wir uns gegenüber allen anderen Menschen dieser Zeit verändert hatten, vor allem auf intellektueller Ebene. Sie waren für uns nun so etwas wie Kinder geworden, allerdings sehr, sehr junge Kinder. Wir verstanden, dass wir einmal im Monat die Möglichkeit haben würden, miteinander zu kommunizieren, egal wo wir auf der Welt auch sein würden.

 

Als ob diese ganze Situation nicht schon verwirrend genug wäre, spürten wir die ganze Zeit über, dass wir bei dieser Art der Kommunikation unter uns sieben trotzdem nicht allein waren. Wir konnten Sie spüren, ja wir hatten sogar das Gefühl, dass so, wie wir über unsere Gruppenmitglieder dachten, (??) sie über uns dachte, aber es erfüllte uns mit Wärme. Ja, ein Gefühl der Sicherheit, der Geborgenheit und der Stärke.

 

Die Zeit verging und die Gruppen trafen ein. Eine nach der anderen. Um uns herum entstand ein Lager, alles erschien wie immer bei solchen Treffen, nur das uns diesmal mal keiner begrüßte oder ansprach. Als dann alle Gruppen eingetroffen waren, kam es zur großen Runde, wo sich alle Menschen aller Gruppen versammelten. Wir teilten ihnen mit, dass wir alle bis auf eine Gruppen den Lebensraum, den wir bisher eingenommen hatten, verlassen würden, um in die großen Weiten zu ziehen. Es folgte ein Raunen, das durch die Menschen ging, was zu erwarten war. Was nicht zu erwarten war, war, dass auch diesmal das Wabern erschien, wie zu den Zeitpunkt, als uns „Die Mutter“ erschien. Diesmal tauchte Sie allerdings nicht auf, aber die Menschen um uns herum wurden sehr ruhig und alle Neuigkeiten, die sie vorher verwirrt hatten, schienen jetzt vollkommen normal zu sein.

 

So begann der erste große Aufbruch der Menschen in unserer Zeit, hinaus in alle Welt. Ja, eigentlich der zweite der Menschheit überhaupt und das im Jahre 5535 vor Chr. In einem Gebiet, das später Europa heißen würde.

 

Alle Gruppen brachen geschlossen auf, in die unterschiedlichsten Richtungen, nur wir fünf, wir gingen allein.

 

 

 

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