Legende der Hexen

 

Es gibt keine Aufzeichnungen über Hexen bzw. "weise Frauen", wann es die Ersten gab, woher sie ihr Wissen bezogen, wer sie ausbildete, wie sie zu Mutter / Göttin fanden und all die anderen Dinge, die uns in Bezug auf die Hexen interessieren könnten. Es gibt nur eine alte Legende von ihnen, die mündlich überliefert wurde. Allerdings, wer glaubt schon an Legenden die weder wissenschaftlich bewiesen sind, noch irgendwelche Zahlen, Fakten oder Daten enthalten....oder ?

 

Viele Monde sind seit der Entstehung vergangen. Die Geschichte der „anderen Frauen“ ist dunkel und oft voller Tränen. Doch dies ist das Heute und nicht das Damals. Damals war der Anfang, der Anfang von vielem. Es war die Zeit des Aufbruchs, der großen Wanderung.

 

Eine Zeit, in der die Kälte dank Mutter zu Ende ging. Aber es war auch der Aufbruch der großen Völker, der anderen....aber ich schweife ab. Du musst meine Geschichte zu deiner machen, mein Wissen zu deinem, du musst es fühlen, in deinem Herzen, es ist ein Äonenwissen. Stell dir vor, dass ich zu dir werde, zumindest zu einem Teil. Sein Lächeln war müde und er war alt, sehr sehr alt. Ich versuchte ihn zu verstehen, aber leicht fiel es mir nicht, nur eines war mir bewusst, das, was er zu sagen hatte, würde mehr als wichtig sein. Sein Blick wanderte in das knisternde Kaminfeuer und es schien, als würden die Flammen sich auf ihn zubewegen und ein Teil von ihnen ihn sogar berühren und streicheln, dabei trugen sie ihn wohl in eine weit entfernte Vergangenheit. Ein Lächeln umspielte seine Züge, nicht nur seine Lippen, sondern ein tiefes Strahlen war in seinen Augen und ließ ihn viel jünger erscheinen, aber auch unendlich alt. Seine Augen, ja seine Augen im Widerschein der Flammen wirkten, als ob sie hunderte von Leben gesehen hatten und doch waren sie auch voller Liebe, Harmonie und Hingabe, mit einer Spur von Trauer, die ich nicht verstehen konnte. Wie alt war dieser Mann nun wirklich?

 

Er würde mich wohl mitnehmen auf seine Reise in die Vergangenheit, auf seine Weise.

 

Seine Stimme bekam einen eigenartigen Klang und seine ersten Worte bestätigten meine Vermutung. In meinem Kopf, in meinem Geist wurde alles schwindelig und neblig, ich schien in einen Sog zu geraten, immer tiefer und tiefer, mit jedem Wort, dass er sprach und auch mich hüllte die Wärme des Feuers ein und selbst der Schein der Flammen schien mich mit seinen Worten mitzuführen. Fast konnte ich spüren, wie die Uhren im Raum anfingen, rückwärts zu laufen, allein durch seine Stimme dazu veranlasst, durch die Jahre zurück, durch die Jahrzehnte, die Jahrhunderte, selbst durch die Jahrtausende. Ja, in seiner Stimme lag nicht nur eine Art von Magie, sie war Magie, reine Magie. So ging ich mit ihm in der Zeit zurück und konnte sehen, was er sah, fühlen, was er fühlte, ich wurde zu ihm und die Weisheit und das Wissen, vor allem aber die unendliche Flut an Emotionen, mit all ihrer Intensität, wurden zu einem Teil von mir, wurde ich.

 

Es war eine andere Zeit, ein anderer Ort, ein anderes Leben, nur das Feuer mit seinen Flammen scheint das Gleiche zu sein wie damals. Damals, ja damals, als alles begann. Nach deiner Zeitrechnung sind über 7000 Jahre vergangen. Ungefähr 5150 Jahre vor Christus.

 

Für mich hörte es sich beinahe so an, als ob er vor dieser Zeit selber dabei gewesen wäre und irgendwie wusste ich sogar, dass ich mit dieser Vermutung recht hatte. War er unsterblich? Das Feuer im Kamin des Raumes, wo unsere Reise begann, war scheinbar gleich mit dem vor mir im Lagerfeuer, hatten uns die Flammen hierher getragen, war es nun Magie oder Zauberei. Eines wusste ich allerdings mit Sicherheit, ich sah durch seine Augen in dieses Feuer und ich spürte dessen Wärme.

 

Das Feuer war für uns heilig, es spendete Leben, Wärme, Schutz aber auch Geborgenheit, Sicherheit und sogar Wissen. Unsere ganze Gruppe, Männer, Frauen, Kinder; Alte und Junge, wir alle hatten uns um das Feuer versammelt und ich erzählte die Geschichten von früher. Der Älteste unserer Gruppe war ich zwar nicht, aber der Heiler, der Träger des Wissens über alles was lebte, die Vergangenheit und die spirituelle Welt. Ich war der Weiße meiner Gruppe und ich war stolz darauf. Ich spürte die Nähe der anderen, ihre Blicke auf mir, wie sie mich ansahen.

 

Warum ich erwähne, dass ich der Weiße unserer Gruppe war....weil andere Gruppen auch ihre Weißen hatten und wieder andere ihre Schwarzen. Es gab dutzende von Gruppen, die um uns herum lebten. Damals dachte ich noch, wir wären viele, viele Menschen. Er lachte leise. Ein paar hundert! Die Gruppen, die einen Weißen bei sich hatten, handelten miteinander und halfen sich in der Not, die aber, die einen Schwarzen hatten, die überfielen und töteten. Aber so war es schon immer, seit Anbeginn der Menschen. Nein, ich schweife nicht ab, es ist wichtig, es gehört auch zu dem Anfang. Die Gruppen waren stolz auf ihre Weißen oder Schwarzen, obwohl wir nie die Gruppenführer waren. Ja, und wir waren stolze Frauen und Männer, sehr stolze Frauen und Männer. Er lachte, er lachte sehr laut, aus vollem Herzen und dieses Lachen war voller Humor, Freude und Frieden. Sein Augen blitzten im Widerschein der Flammen und Weisheit, Klugheit und ein wenig Spitzbübigkeit schien sich in ihnen widerzuspiegeln. Du musst verstehen, unsere Aufgabe war wichtig und ohne uns wären viel mehr Menschen in den einzelnen Gruppen gestorben. Wir waren eben was Besonderes. Zumindest hielten wir uns dafür, damals, wir wussten es ja auch nicht besser. Wieder sein Lachen und es erfüllte einem die Seele. Mit jedem Lachen aber schien er, zumindest in dieser Zeit stärker zu werden, viel stärker, auf eine Art, die man nicht beschreiben kann, sie geht weit über körperliche Stärke hinaus, sie erfüllte ihn durch und durch.

 

Auch wenn es scheint, dass ich manches wiederhole, so muss man verstehen, wie es sich immer in dem Augenblick für mich anfühlte, eine neue Welt, etwas was mein Verstand kaum fassen konnte, Informationen, Emotionen, alles von überall her.

 

Wieder lachte er vor sich hin, um dann erneut in den Flammen zu versinken und ich folgte ihm, als er. Da meine Geschichte sehr lang wird, komme ich lieber zum Anfang.

 

Es war also vor 7000 Jahren... ach da war ich schon... wir saßen um das Feuer und sprachen über die Vergangenheit, die Zeit der großen Kälte, über das Heute, wo es im Verhältnis schon viel wärmer war.... zumindest war unser Empfinden so. Während wir sprachen, aßen und lachten, war uns nicht bewusst, dass diese Nacht anders werden würde als alle anderen zuvor. Sicherlich, es gab immer Ereignisse durch Wetter, Überfälle, Geburten, Tode, Jagderfolge, aber das sie so anders werden würde, dass wussten wir nicht. Das Feuer, wie eigentlich an jedem Abend, brannte vor sich hin, abermals schien alles wie immer, doch dann wurde das Feuer langsam aber stetig höher, heller, wärmer. Man hatte fast das Gefühl, als ob das Feuer bewusst so langsam wuchs, um uns nicht zu erschrecken. Wir standen auf und traten langsam zurück. Es wuchs immer weiter, dieses Feuer war unnatürlich, es war nicht genug Holz für so große Flammen, sie überragten uns um mehr als eine Armeslänge... wir verstummten. Die Farben der Flammen begannen sich zu verändern von ihrer normalen Farbe in ein bläuliches Weiß und als wäre das alles nicht genug, war das Feuer trotz seiner Größe nicht nur nicht heißer geworden, ganz im Gegenteil, es strahlte uns angenehm, hüllte uns ein und band uns an den Ort, wo wir standen. Schemenhaft wurde das Gesicht einer Frau sichtbar. Dieses Gesicht drehte sich, bis es in meine Richtung schaute. Nach einiger Zeit hörte ich Worte, die an mich gerichtet waren. In mir hörte ich sie, ihre Stimme, fast hatte ich das Gefühl, als würde sie in meinem Herzen entstehen....sie erfüllten mich, mein ganzes Wesen, mein ganzes Sein. Lachen stieg in meinem Hals empor und Tränen füllten meine Augen. Ich war voll, voll von allem, was ein Mensch im Guten nur fühlen konnte.

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