Marktschreiern & Wunderdoktoren 1790

Marktschreiern & Wunderdoctoren

 

Immer ziehen noch die sogenannten Marktdoctoren herum, und machen ihr Glück. Die Menge ströhmt ihnen zu, und kauft. Dieß zu befördern reitet der Herr Doctor selbst herum, vor ihm her ein Trompeter und ein Hanswurst hinten. Jetzt hält er, stemmt den Arm in die Seite, und schwingt pathetisch den Hut. Dem hohen Publicum wird bekannt gemacht, das allhier angekommen ist, Johann Caspar *** Königlich ***scher, privilegirter **** dessen gleichen allhier nie gewesen ist. Er heile alle Patienten in der Geschwindigkeit, so daß jedermann sich darüber verwundern muß, bittet sich gehorsamst Zuspruch aus, und logirt –. Man war schon vorher von der Erscheinung des Königlich ***schen, privilegirten **** unterrichtet, und welche Wunderthaten er dahier zu verrichten vorhabe; denn er hat an den Ecken der Gassen, an den Thoren u.s.w. Zettel anheften lassen. Nach denselben heilt er alles ohne Schmerzen. Seine Arzeneien sind englisch, köstlich, veritabel, weltberühmt, gerecht, vielmals approbirt; besitzen kostbare Tugenden, widerstehen allen Zufällen. Er hat eine ausländische, sehr bewunderungswürdige Wurzel radix ** v. genannt; welche, wenn sie – außerordentliche Wirkungen thut, und bei Hohen und Niedern probat befunden worden. Er besitzt ein untrügliches remedium wider – und wider; alle – sie mögen Namen haben, wie sie wollen, in kurzer Zeit zu vertreiben. Er führt Wunderbalsam, und verobligirt sich, unter göttlichem Beystand, wenn es die Beschaffenheit des Patienten leiden will, alles aus dem Fundament zu curiren.

 

Gott allein die Ehre!

Johann Casper u.s.w.

 

Wer erkennt hier nicht den Großsprecher, der unverschämt und listig genug ist, bei seinen Betrügereien, selbst Religion zum Vorwand zu gebrauchen?

 

Das Publikum ist zu einer Komödie eingeladen; und man hat sich zahlreichen Zuspruch unterthänigst und gehorsamst ausgebeten: Denn unter der Menge von Zuschauern werden sich ja Käufer finden? Hanswurst ist Hauptperson, und ob gleich sein Witz elend ist, so hört man doch ohne Unterlaß aus dem versammelten, hochgeehrten Publikum lautes Gelächter schallen. Indeß gehn Personen umher, Geld zu sammeln, und das hochgeehrte Publikum kann nun schon bemerken, daß hier der Beutel in Anspruch genommen werde. Das Narrenspiel ist aus, und die Musik schweigt. Herr Casper *** in einer rothen, goldbesetzten Weste, das spanische Rohr in der Hand, der die Uhrkette fast eine halbe Elle lang herunter hängen läßt, tritt auf, recommandirt seine Arzeneien nochmals, nennt ihre Tugenden alle, und versichert, er reise nicht um des Geldes willen; sondern Elenden zu helfen: Aber wer kann es ihm glauben; er wird ja unwillig, wenn der Abgang so gut nicht ist, wie er gehoft hatte? Er erbietet sich, dem seine Arzeneien umsonst zu geben, der so arm sey, daß er sie nicht bezahlen könne, er weiß aber wohl, daß um ein paar Groschen keiner sich als den ärmsten zeigen, und von Hanswurst darum sich werde necken lassen. Kommt denn ja der Fall; so findet der Herr Doctor in dem Verkauf an das hocheehrte Publikum seine Rechnung. Er war in seiner an tausend Orten schon gehaltenen Rede sehr wortreich, zog gegen seines gleichen los, und stichelte auf gelehrte Aerzte; aber er hatte sich vorher Muth getrunken; denn er weiß, daß die Dummen durch viel Worte und zuversichtlichen Ton sich leicht überreden lassen.

 

Solche Menschen richten grössere Verwüstungen an, als die Pest. Sie verkaufen ihre Arzeneien, ohne auf den Kranken gesehen zu haben, geben Menschen und Vieh aus einer Flasche. Man hat davon die entsetzlichsten Wirkungen gesehen, und nicht leicht schlägt ein Marktschreier seine Bude auf, daß es nicht einigen Einwohnern das Leben kostete. Sie nehmen immer eine Menge Geldes aus dem Lande, und entziehen es blos den Einwohnern, welchen es schätzbar ist. Oft sahe man, daß Leute borgten, um sich von dem Marktschreier sogenannte Arzeneien in einem hohen Preis zu kaufen, die, anstatt das Uebel zu heben, es vermehrten; und so das Elend vollkommen machten. Oft verursachten sie auszehrende und andere Krankheiten, und brachten dadurch ganze Familien an den Bettelstab. Sie bedienen sich unter andern auch des Kunstgrifs, die Leute bei ihren Vorurtheilen zu lassen, und sie darinn zu bestärken: Daß das beim Aderlassen weggegangene Blut in fliessendes Wasser gegossen werden müsse, weil es sonst, wenn es faule, hitzige Krankheiten zuwege bringe. – Daß die abgeschnittenen Haupthaare verbrennt werden müssen, weil, wenn die Vögel sie zum Bau ihrer Nester nehmen, dadurch Kopfschmerzen veranlaßt würden. – Daß das Fieber wohl daher entstanden seyn könne; weil die Eierschlaen nicht zerdrückt worden – daß man das Dämischwerden und Lähmung der Glieder vielleicht daher bekommen habe, weil man über eine Stelle gegangen sey, wo Abends zuvor jemand einen behorcht habe. – Der Marktschreier kennt den Eigensinn des Patienten, weiß, wie wenig Widerspruch sie vertragen können, und wie auf der andern Seite man dadurch sich ihr Vertrauen erwirbt, wenn man ihnen überall Recht giebt.

 

Solch ein unwissender und gewissenloser Betrüger kann durch seine Lügen den Leichtgläubigen und Dummen, der außer Stand ist, etwas zu beurtheilen, oder nach seinem Werth zu schätzen, leicht hintergehen. Ganz ohne Kenntnisse und Erfahrungen, mit drei oder vier Arzeneimitteln, deren Bestandtheile und Wirkungen er eben so wenig kennt, als die Ursachen und Beschaffenheit der Krankheit, verschlimmert der Marktschreier das Uebel, das die Natur selbst würde geheilet haben, wenn man sie ungestört gelassen hätte; oder macht es gar tödlich, weil seine Arzeneien mehrentheils starke, aber zweckwidrige Wirkungen haben, und demnach in seinen Händen das sind, was das Schwerd in der Hand des Rasenden ist. Gegen einen Räuber kann man sich wehren, oder von andern Hülfe erhalten; wenn aber ein Landstreichender Arzt sich das Zutrauen des Einfältigen stiehlt, und ihn dann vergiftet; so ist er ja weit gefährlicher, als jener, und nicht weniger strafbar. O daß ich ein Verzeichniß ihrer blutigen Thaten beifügen könnte! vielleicht, daß denn manchem eine heilsame Furcht eingeflößt würde, sich diesen Henkern nicht als Schlachtopfer anzuvertrauen. Wenn man ihre Arzeneien untersuchen, und sie mit den Bedürfnissen der Kranken, denen sie gegeben werden, vergleichen würde; so würde man sich entsetzen und die Unglücklichen bedauren, die ihr Leben dieser mörderischen Brut anvertrauen! Fälschlich glaubt man, die Arzeneien bei gelehrten Aerzten wären kostbarer, als die bei den Marktdoctoren! Wenn der Medicus die Krankheit so heben will, daß davon nichts in dem Körper zuück bleiben und künftig keine üble Folgen weiter zu fürchen seyn sollen; so muß er den Körper zu der eigentlich Cur erst vorbereiten, muß die Arzneien anders geben, wenn die Beschaffenheit der Krankheit sich ändert, und nachdem diese ganz gehoben ist, den Körper vor Rückfällen bewahren. Wenn er dann am Ende die Rechnung macht, so kömmt freilich eine größere Summe heraus, als die man dem Marktschreier giebt, der, wenn es die Beschaffenheit des Patienten leiden will, die Krankheit mit einemmal aus dem Funament zu curiren verspricht. Er verspricht nicht zu viel! Mißlingt die Cur, so bleibt ihm der Ausweg, daß es die Beschaffenheit des Patienten nicht zugelassen habe. Gelingt sie einmal, o dann macht man großes Geschrei, läßt sich Zeugnisse ( testimonia) geben, die man in allen Gegenden und Enden vorzeigt, ohnerachtet vielleicht der gute Arzt den Grund dazu schon gelegt hatte. Mit Sorgfalt sucht der Bauer für sein krankes Vieh die Hülfe auf, und scheut dabei keine Kosten; Wenn es aber um ihn selbst, um sein Weib und Kind zu thun ist; so versäumt er alle Hülfe, oder bedient sich der ersten als der besten, wenn er sie nur wohlfeil haben kann. Wenn gleich die Mittel, deren der Marktschreier oder Wunderarzt sich bedient, unnatürlich und abscheulich sind; so läuft man ihm doch Haufenweis zu.

 

Mit Mondschein und Gebet heilte ein Wunderthätiger in Berlin, in den Jahren 1780 und 81 eine Menge Krankheiten, vorzüglich äußere Schäden. Er heilte sie mit Mondschein, obgleich oft der Mond nicht zu sehen war, und seine Frau die Operationen zu eben derselben Zeit in einem andern Zimmer vornahm, das eine ganz entgegengesetzte Lage hatte. Er heilte unentgeltlich, um desto mehr Zulauf zu haben; aber die Billette, beym Eintritt in das Haus, mußten bezahlt werden; denn man wußte wohl, daß auch Gesunde neugierig seyn würden, das Verfahren mit anzusehen. Die Frau nahm Geschenke, obgleich nur wenig besser wurden und sogar starben. Demohnerachtet hielt sein Ruf sich lange. Einst nahm er einen vierzehnjährigen Knaben, der von seinem Vater zu ihm geführt war, stellte ihn aufs Fenster, nahm das Bruchband weg, legte die linke Hand auf die kranke Stelle, und schien, indem er einige unvernehmliche Worte murmelte, den Mond anzusehen, der aber in der That nicht zu sehen war. Darauf faltete er seine Hände gegen den Mond, sprach leise einige Worte, und damit war es aus. Er setzte den Knaben herunter: Der Vater nahm ihn auf die Seite, verband ihn wieder, und fragte: Wie ist es mein Sohn, thut es noch so weh? – O ja Vater, erwiederte dieser. Die Einbildungskraft konnte hier nicht wirken: Der Vater, an der Stelle des Kindes, hätte gewiß Erleichterung verspürt.

 

Nicht leicht hat ein Charletan grösseres Ausehen gemacht, als Cagliostro, der sich einen Graf nennte, und bald vorgab, er stamme aus fürstlichem Blut, bald von einem Maltheser-Ordensgroßmeister; bald von einem arabischen Prinz, bald in Asien, bald in Europa geboren seyn wollte. Er gehört mit zu den medicinischen, wunderthätigen Abentheuern. Seinem Vorgeben nach unterrichteten ihn morgenländische Weise; Reisen nach Egypten und Einweihungen in die unterirdischen Geheimnisse der Piramiden verschaften ihm den Besitz der verborgendsten Kenntnisse. Er geht mit Geistern, wie mit seines gleichen um, er macht Gold, er heilt, er verjüngt, er verschönert; alle Wissenschaften stehen ihm zu Gebot. Er liest in den Gestirnen, was kein Mensch weiß – der außerordentliche Wundermann! Er ist Geisterseher, Geisterbeschwörer, menschenfreundlicher, unbezalter Arzt. Er hat grosse Aufmerksamkeit erregt und grossen Anhang; aber seine glänzende Periode ist vorbei, seine Zahlreichen Anhänger sind verschwunden, und man lacht über ihn.

 

Die Verblendung und Verwirrung hierin ist unbegreiflich! Des glänzenden Anscheins ohnerachtet, den sich die Marktschreier durch Ringe, durch Tressenwesten und Hüte u.s.f. in den Augen der Einfältigen geben, sind die Leute, welche ihre Erhaltung durch Unverschämtheit und Leichtgläubigkeit des Volks suchen, weil sie unfähig sind, durch eine andere Beschäfitigung ihren Unterhalt zu verdienen. Sie sind von aller Einsicht entblößt, ihre Titel und Beglaubigungsschreiben haben keine Gültigkeit, denn jene können um einen eben so wohlfeilen Preis erkauft werden, als die Goldverbrämten Kleider bei der Trödelfrau: Diese sind untergeschoben oder erschlichen. Je zuweilen gelingt es dem Marktdoctor wohl, unter den tausenden, welche er mordet, einen zu heilen, der vielleicht schon unter den Händen eines geschickten Arztes gewesen ist; aber das ist nur Zufall: Die Natur würde sich jetzt, auch ohne Arzeneimittel geholfen haben; oder der Kranke hatte Kräfte genug, den verderblichen Wirkungen der Arzenei zu widerstehen, die andern tödtlich gewesen seyn würde. Die Kranken, die sich Marktschreiern übergeben, sind gemeiniglich von dem Arzte verlassen, weil sie sich an die Vorschriften, deren Beobachtung ihre Krankheit foderte, und die der Arzt ihnen vorschrieb, nicht binden wollten, oder ihn durch ihre Widerspenstigkeit erbitterten. Wenn doch die, die um den Marktschreier neugierig herumstehen, Augen und Mund aufsperren, und sich glücklich schätzen, daß es ihm beliebt, sie um ihr Geld zu betrügen, indem er ihnen etwas ganz unnützes um einen funfzehn bis zwanzigmal über seinen wahren Werth erhöheten Preis verkauft – wenn doch diese bedenken wollten, daß der dastehende, so geheißende Doctor nicht mehr verstehe, als sie selbst, und daß sie nur Unverschämtheit genug haben dürften, um bald eine gleiche Geschicklichkeit in die Hand zu bekommen, bald so geläufig zu sprechen, wie er, und dadurch Ansehen und Zutrauen zu erlangen.

 

Jedes, auch das schlechteste Handwerk muß erlernt werden – und dieß sollte bei der Arzneiwissenschaft nicht geschehn dürfen, die von so weitem Umfang ist, die so viel Fleis, Nachdenken und Erfahrung erfodert, ehe jemand darinn nur zu einer gewissen Vollkommenheit gelangt? Man giebt einem Unkundigen keine Uhr auszubessern; aber die aus so vielen, ganz zarten Theilen zusammengesetzte Maschine, den Leib, vertrauet man Leuten, die dessen innere Einrichtung nicht kennen, und daher, anstatt zu verbessern, ihn zerstören. Man giebt keinen etwas kostbares zu verarbeiten, wenn man nicht Beweise seiner Geschicklichkeit sieht: aber das kostbarste, das Leben, vertrauet man jedem Großsprecher, und bezahlt ihn theuer, daß er den Ueberrest desselben vergiftet. Menschen, die von der Natur mit den besten Geistesgaben versehen, in den schönsten Jahren ihres Lebens auf fleisige Untersuchung des menschlichen Leibes ununterbrochen Fleiß wendeten, die desselben Verrichtungen, die Ursachen, mit allen den Hülfsmitteln dagegen kennen gelernt, unter tausend Kranken in Spitälern Beobachtungen angestellt, und damit die Erfahrungen aller Zeiten und Orte verbunden haben, selbst die finden sich so fähig nicht, als sie wünschen, das köstliche Unterpfand der menschlichen Gesundheit in Verwahrung zu nehmen; und man sollte sich schlechten Menschen anvertrauen, die ohne alle Anlage geboren wurden, keine Erziehung und Unterricht hatten, die oft nicht einmal lesen können; die von der Arzneikunst so gar nichts verstehen, und dieses erschreckliche Handwerk nur darum treiben, um Geld zu gewinnen, damit sie Nächte hindurch saufen können; die darum nur Aerzte wurden; weil sie zu allem andern untüchtig waren? Einige von ihnen, welche wohl einsehen, daß es nicht ungegründet sey, wenn man ihnen vorwirft, daß sie von allen Wissenschaften entblößt sind, bedienen sich eines Behelfs, der unter einem abergläubischen Volk nur allzuleicht Glauben findet; daß nemlich ihre Kenntnis in der Arzneiwissenschaft übernatürliche Gabe sey, und daher alles menschliche Wissen übertreffe; daß sie ihre Macht dem Himmel oder der Hölle zu verdanken hätten.

 

Ein paar Jahr nach jenem Monddoctor warf sich ein Wundermann dieser Art in Berlin auf. Er war ein Heuchler und schlauer Bösewicht, der die Gemüther schwacher Menschen einzunehmen wußte, und gutherzigen Leuten unvermerkt das Geld ablocken konnte.

 

Seinem Vorgeben nach, brauchte er geheime Naturkräfte (denn worauf setzt man grösseres Vertrauen?) und Religionsübungen. (und wodurch könnte man Einfältige leichter hintergehen?) Er wartete immer bis zwölf Uhr, um, wie er sagte, die Krankheit zu bestimmen, und befahl auch seinen Patienten, sobald er sie besuchte, vor dem Schlag 12 den Mund zum Reden nicht zu öfnen. Er schnitt ihnen Haare ab, legte sie kreuzweis über einander, verbrannte sie dann, und gab ihnen das Pulver ein. Er murmelte Gebetsformeln, sprach seinen Kranken viel von Bezauberung, Besitzung des Teufels vor, und hatte eine Essenz, von der er sagte, er könne sie sich nur in einer einzigen Stunde, die er aber wohl in acht nehmen müsse, im ganzen Jahr verschaffen. Es fehlte ihm an Dreistigkeit so wenig, als an Lügenhaftigkeit. Den augenscheinlichsten Kranken sagte er trotzig: Ihr habt die Krankheit nicht. Bei den fürchterlichsten Anzeigen, die er zum Theil selbst veranlaßt hatte, sagte er kaltmüthig: Das ist gut, das muß so seyn – und gab nicht undeutlich zu verstehen, er sey so etwas von allgegenwärtig und an Allmacht fehle ihn nur wenig. Wenn er durch alles dieß seinen Kranken Ehrfurcht und Glauben beigebracht hatte. so erzählte er, der falle zur Strafe in eine andere schwere Krankheit, der ihm nicht ordentlich bezahle: Und man kann denken, wie geschwind und gern die gläubigen Seelen ihm voraus bezahlten. Den Puls, welchen er die Lebenslinie nannte, befühlte er fleisig. Einem ohne Zweifel wassersüchtigen Mann sagte er, wie gewöhnlich: Ihr habt die Wassersucht nicht! Wenn das wahr ist, will ich mir ein Messer in den Leib stechen lassen. Euer Lebenslicht brennt noch 25 Jahr, und ihr lebt noch länger, als das Licht brennt; Aber der arme Mann fiel bei der ungeschickten Behandlung des betrügerischen Gauklers in Wahnsinn, welches auch das Loos seiner andern Kranken war. Er sagte zwar auch hiebei ganz gelassen: Das hat nicht zu bedeuten, das muß so seyn; aber der Mann starb, trotz des langen Lebenslichts, und zwar höchst wahrscheinlich, wie andere seiner Kranken, durch seine Schuld. Man brachte den Wunderthäter endlich ins Zuchthaus und er heilt seitdem nicht mehr.

 

Sollte die Obrigkeit nicht überall dem Unwesen solcher Betrüger steuern, und ihnen den Eingang in das Land verwehren, die das schätzbarste Gut desselben, die Menschen ausrotten, und den überbleibenden das Geld abnehmen? Sollte endlich nicht das Volk so vernünftig werden, ihnen nicht mehr Gehör zu geben? Das beßte Mittel für so schädliche Menschen ist, sie zur Ergreifung einer weniger schädlichen Lebensart zu nöthigen!

 

 

Quelle: Johann Georg Friedrich Jacobi: Das Buch vom Aberglauben, Mißbrauch, und falschen Wahn - Kapitel 60, aus dem Jahr 1790

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