Das Buch vom Aberglauben 1790

Hexen oder Hexenmeistern

 

versteht man Leute, von denen man glaubt, daß sie durch geheime Künste, ausserordentliche Dinge hervorbringen können; wobey auch der Teufel geschäftig sey. Je weiter man in die alten Zeiten zurückgeht, je mehr findet man, daß das Ansehen der Hexen und Hexenmeister groß gewesen ist. Man fürchtete sie wie den Teufel selbst, weil man durch nichts vor ihrer Macht gesichert zu seyn glaubte. Endlich fieng man an, die, welche man dafür hielt, aufzusuchen, und zu martern; denn man wollte das schreckliche Hexengeschlecht ganz ausrotten. Wir sind glücklich, daß wir nicht mehr in den Zeiten leben, wo wir in Gefahr sind, durch die Folter zu dem Geständnis gebracht zu werden, daß wir Hexen könnten, und mit dem Teufel zu thun gehabt hätten; wenn der Neid sich wieder uns erhebt, oder wir das Unglück haben, daß eine feurige Gestalt sich in unsern Schlott wirft. Manches gute Mütterchen, macher ehrliche Alte ist wegen rother Augen verbrennt worden; denn dieß hielt die Einfalt ehedem für das untrügliche Zeichen der Hexen. Aber auch unsere Zeiten sind nicht ganz frei, von solchen grausamen, die Menscheit entehrenden Begebenheiten. Noch im Jahr 1783 ward eine Weibsperson nach richterlichen Spruch und Urtheil als Hexe getödtet.

 

Ein neunjähriges Kind in Glarus war krank und brach Stecknadeln aus. Mehrere Personen sahen diese Nadeln; aber nicht das Ausspeien derselben. Wie wär dieß auch möglich gewesen, daß nicht eine im Schlunde hätte sollen stecken bleiben. Des Kindes Fuß war gelähmt, und der Vater, ein Arzt, sagte: Er sey so dürr gewesen, daß man ihn wie einen Zwirnfaden durch ein Nadelöhr habe ziehen können. Doch konnte das Kind, mit diesem dürren Fuß sehr hohe Sprünge machen, und wußte nichts anzugeben, als daß es einige Wochen vorher, von einen Schlösser und der Magd einen Honigkuchen erhalten hätte. Der Vater schickte zu einem Vieharzt, und dieser Abergläubische gab den Bescheid: In dem Honigkuchen sey Stecknadelsamen gewesen, und dieser werden in den Magen des Kindes ausgebrütet, und gedeihe da zur Reife. – Die Stecknadeln kamen wohl poliert und mit den gehörigen Köpfen versehen zum Vorschein; dennoch glaubten es der Vater und die wohlweisen Richter. Die Magd, welche eine Untersuchung fürchtete, entfloh; aber man ward ihrer bald wieder habhaft. Nun sollte sie des Kindes dürren Fuß heilen; und ohnerachtet sie dazu weder übernatürliche Kräfte, noch natürliche Mittel hatte, so mußte sie doch, aus Furcht, die Kur anfangen, und sie gelang nach 18 Tagen wirklich; aber gewiß nicht durch ihr Zuthun, sondern durch ohngefähr. Nun war es gewiß, daß die Magd eine Hexe sey; da sie aber nicht bekennen wollte und konnte; so wurde sie sechsmal auf das schärfste gefoltert, und sie bekannte nun, was man wollte. Aus Furcht vor ähnlicher Behandlung entleibte der alte Schlösser sich im Gefängniß; die Magd aber ward als Hexe mit dem Schwerdt hingerichtet.

 

So gebührt Aberglaube noch jetzt Unsinn, Menschenqual und Mord. Es ist nicht zu leugnen, daß es immer Leute gegeben hat, die sich auf geheime Künste legten, und dadurch allerlei bewirkt und hervorgebracht haben, was in den Augen des Unwissenden und Abergläubischen, ganz ausserordentlich schien, und als wenn es nicht ohne Hülfe einer höhern Macht geschehen könne: Aber das Forscherauge anderer entdeckte am Ende immer, was jene nicht zu sehen vermochten. Hier zeigte man die Nadeln, die das Kind sollte ausgespien haben; aber keiner sahe, daß dieß wirklich erfolge. So war es immer, so würde es noch jetzt bei allen Hexengeschichten seyn, wenn sich Gott Lob, ihre Anzahl nicht so sehr verringert hätte. Möchten sie sich ganz verliehren! Möchte ihr Andenken, ganz von der Erde ausgerottet werden! Betrüger, die ihr Ansehen bei andern erhalten, und dadurch den bisherigen reichen Gewinn beybehalten wollen, müssen ihre Kunst so ehrwürdig als möglich darzustellen suchen, müssen selbst lehren, daß eine unsichtbare Macht mit ihnen sey: Und was ist leichter, als unter einem abergläubischen Volk, das Ansehen zu erhalten, daß man durch den Teufel Thaten thun könne? Gewinnsucht und Liebe zum sonderbaren waren die gewöhnlichen Ursachen, daß Hexen auftraten; Neid und Haß, daß man solche dafür ausgab, die nicht dafür gehalten seyn wollten. Liederliche und Faullenzer, die auf keine ehrliche Art ihr Brod verdienen können oder wollen, geben selbst dazu Anlaß, daß man sie für so etwas hält, und sehen es gern, wenn sich ihr Ruhm weit ausbreitet; denn je größer dieser ist, desto besser ist die Einnahme, und desto größer das Vertrauen, desto glücklicher der Erfolg in dem Heilen. Auf der andern Seite ist der fleisige, sparsame Wirth in Gefahr, von denen, die ihn hassen, für einen Hexenmeister gehalten zu werden. Der Mann, sagt der erste, hilft sich seit einiger Zeit recht auf, und man weiß nicht, wie es zugeht. Der andere setzt mit bedeutender Miene hinzu, daß das Ding seinen Haken haben müsse. Der dritte, er habe schon davon munkeln gehört. Der vierte ist seines Glaubens gewiß; es ist in dem Hause nicht allzurichtig. Die andern setzen nach Belieben dazu; der eine hat darinn ein außerordentliches Pochen und Poltern gehört; der andere hat bemerkt, daß der Mann, das Geld immer aus einem gewissen Kasten nehme, worinn es nie alle werde, und daß darinn ohnfehlbar der Kobold sey. Die Sage die alles zwölfmal vergrößert, fliegt damit in alle Häuser, durch Stadt und Land, und der Name des ehrlichen Mannes, ist auf immer beschmutzt. Freilich bleibt in den Augen des Pöbels manches geheim, und darum außerordentlich, wenn gleich der klügere die wahre Beschaffenheit davon leicht erfährt. Tausend Beyspiele könnten davon aufgeführt werden: Hier sey es an einem genug. »Im Jahr 1617 lebte ein Knabe, 15 Jahr alt, zu Bilson in der Grafschaft Stafford, von welchem jedermann glaubte, daß er vom Teufel besessen, und behext sey. Die Geisterbeschwörer besuchten ihn fleisig, beteten vor ihm, und wendeten ihre Künste an, den Teufel auszutreiben. Einmal besuchten sie ihn allein, ein andermal in Gesellschaft anderer; aber immer wollte der böse Geist noch nicht weichen. Wenn der Knabe den Anfall hatte; so gab er durch Zeichen zu erkennen, daß eine gewiße alte Frau, welche nicht weit von seinem Vater wohnte, ihm einen bösen Geist zugeschickt habe; und wenn er ihn verließ, sagte er mit deutlichen Worten, daß sie eine Hexe, und die Ursache seines Unglücks sey. Die Frau wurde daher, nebst dem Knaben vor das geistliche Gericht zu Litchfield gebracht; und ehe jene in die Gerichtsstube trat, bekam dieser den heftigen Anfall und schrie: Jetzt kommt sie, jetzt kommt mein Plagegeist. Endlich traten auch des Knaben Eltern, als Zeugen gegen die Frau auf; und da diese erschien, bekam der Knabe abermals den Anfall, daher die Geschwornen sie für schuldig erklärten und zum Tod verdammten. Der Bischof von Litchfield urtheilte, daß es eine Betrügerei sey, und verschaffte, um sie zu entdecken, der Frau ein Frist, während welcher Zeit er den Knaben in seinem Hause behalten und genau bewachen wolle. Es geschah. Weil nun, der Knabe hier keine Bewunderer fand,| indem ihn keiner weiter sah, als die ihn bewachten, wurde er so verdrüßlich, daß er zuweilen in zwei bis drei Tagen nichts essen wollte. Sein Hals fieng an zu schwellen, er lag in seinem Bett bald ohne alle Empfindung, bald sah er die Leute starr an, ein Schaum stand auf seinem Mund, und wenn Leute bei ihm standen, schlug er nach ihnen. Er redete kein Wort, außer wenn er den Anfall hatte, aber dann ganz unverständlich, und stellte sich dabei ungeberdig. Der Bischof behandelte ihn abwechselnd gütig und hart; und da er ihm einmal sechs derbe Schläge mit einem Stock gab, blieb er dabei ganz unempfindlich. Endlich steckte man ihn zwischen die Nägel an Händen und Füssen Nadeln, hielt ein brennendes Licht so nahe als möglich an seine Augen; aber er bewegte sich nicht, und drückte die Augenlieder nicht zu. Endlich wurde er desperat, und gab, indem er auf Messer und dergleichen zeigte, nicht undeutlich zu verstehen, daß er sich ein Leid zufügen wolle. Man bewachte ihn daher noch genauer, und in diesem Zustande blieb er ein ganzes Vierteljahr. Der Urin wurde zuletzt schwarz, daß die Aerzte nicht wußten, was sie davon denken sollten, und der Bischof sich entschloß, keine weitere Versuche anzustellen. Aber er bestellte noch einen treuen Bedienten, welcher durch ein Loch in der Mauer, das dem Knaben nicht bekannt war, genau auf ihn acht geben sollte. Indeß geht der Bischof mit seinem ganzen Hause in die Kirche, so daß alles still ist. Da der Knabe keinen bei sich sieht, und kein Geräusch hört, richtet er sich im Bett auf, horcht, ob sich wo was rege, steht auf, und nimmt aus dem Stroh ein Dintenfaß, gießt auf Baumwolle etwas daheraus, und steckt diese unter die Vorhaut, worauf er das Dintenfaß wieder verbirgt und sich zu Bett legt. Der Bischof fragt, nachdem er zurückgekommen ist, wie er sich befände? Er weist mit entstellten Geberden und mit Murmeln auf sein Wasser: Der Bischof aber sagt ihn, daß seine Betrügerei entdeckt sey, und droht ihm mit dem Zuchthaus, dafern er nicht bekennen würde; und er gesteht endlich: Ein Mann, welcher Sachen zum Verkauf herum getragen, habe ihm begegnet, und ihn beredet, mit nach Giffords Haus zu gehen, wo man ihm wohl begegnen würde. Er geht dahin, und findet jene Geisterbeschwörer, die ihm Geld geben und viel versprechen, wenn er das thun wolle, was sie ihm sagen wollten? Nachdem er drei Tage bey ihnen gewesen, habe er alles so gefaßt, daß sie ihn nach Hause gehen geheißen. Er kommt zu großem Entsetzen seiner Eltern als ein Rasender dahin und spielt um so mehr, da seine arme Eltern seinetwegen von denen Gaben empfangen, die ihn sehen, seine Rolle noch länger, daher er auch den Teufel von den Geisterbannern nicht habe wollen austreiben lassen. Diese hätten es ihm gesagt, daß er jene alte Frau, die ohnedem sehr zanksüchtig gewesen, für die Hexe angeben solle. Bei Gericht habe er von einigen, die bei ihm gestanden, gehört, daß sie käm; daher er gerufen: Sie kommt x. und zu Stafford habe er das Klingen der Ketten hören können, mit welchen die Frau gebunden gewesen, und habe daraus geurtheilt, daß sie auf dem Weg seyn müße. Den Hals habe er damit schwellen gemacht, daß er die Zunge mit Gewalt und lange zurückgezogen; welches er selbst ausgefunden, das übrige hätten ihn die Geisterbanner gelehrt u.s.w.«

 

Die Hexen sollen außerordentliche Dinge thun können; daher sind die Mittel, womit man sich gegen sie zu verwahren sucht, außerordentlich und seltsam. Wer Geld liegen hat, sagt man, der lege Kreide dazu, damit die Hexen keinen Theil daran haben, oder etwas davon nehmen können; denn sie sollen die Kunst wissen, dem, welchem sie vorher Geld gegeben haben, es unter allen Schlößern hervor, heimlich wieder zu entwenden. Aber wer viel Geld einzunehmen hat, und Einnahme und Ausgabe nicht sobald aufschreibt, der wird beim Nachrechnen gewöhnlich nicht wissen, woher das deficit komme? Man mischte also zauberische Hände ein, was man bei gehörigem Gebrauch der Schreibmaterialien nicht würde nöthig gehabt haben. Wider das Behexen soll es gut seyn, etwas von der Kleidung eines armen Sünders zu haben: Auch soll so ein Lappen dienen, die Pferde damit fett zu machen, die man damit putzt und – gut füttert. Wenn der Drache oder die Hexen einem nichts vom Gelde holen sollen, so soll man es mit reinem Wasser abwaschen, und ein wenig Brod und Salz dazu legen. Wenn damit angedeutet werden soll, daß man der Sparsamheit ergeben, sich mit Brod und Salz und reinem Wasser begnügen soll; wer könnte leugnen, daß man wenigstens bei gutem Fleiß sein Vermögen bewahrt, und zu noch größerm gelangt? Wenn eine Hexe einen fragt, soll man nicht ja antworten; sonst kann sie durch Zauberei einem etwas nehmen: Auch soll man sich von ihnen, am wenigsten des Freitags, wo ihre Macht besonders wirksam seyn soll, mit der Hand nicht über den Rücken fahren lassen, weil man sich dann vor ihren Zaubereien nicht hüten könne. Leuten, welche man im Verdacht hat, daß sie zaubern und hexen können, antwortet man nicht, wenn sie fragen, und geht drei Schritte von ihnen weg, um nicht von ihnen berührt zu werden. Ehe man sich schlafen legt, verwahrt man noch die Thüre mit dem Ueberwurf, (der Kettel) um die Hexen, so wie die Gespenster dadurch abzuhalten. Es mag auch bis jetzt noch so, wie ehedem, Leute geben, die es selbst glauben, daß sie an dem mehr Macht habe, von dem sie ein dreimaliges ja herausbringen können. Aber wenn ich ein gut Gewissen habe, in meiner Pflicht auf rechten Wegen wandle, so kann ich dreist wohl dreimal drei ja antworten, und darf im Vertrauen auf Gottes Schutz nichts fürchten. Wenn ein Weib Butter machen will, soll sie ein dreikreuzigtes Messer an das Butterfaß stecken, oder drei Kreuze an dasselbe schreiben, um den Hexen die Macht zu nehmen, dabei zu schaden; Aber wie können drei Kreuze an ein Faß geschrieben, oder auf einem Messer befindlich, gute Butter machen, wo keine gute Milch ist? Man weiß Mittel, das baldige Butterwerden zu verhindern, ohne an Teufel und Hexen dabey zu denken: Die Hexen hingegen, glaubt man, könnten auf sehr leichte Art Butter machen; aber man könne sie daran erkennen, wenn sie im Wasser untersinke. Das Fett, sagt man, schwimmt im Wasser oben; die Hexenbutter geht unter. Aber so kann auch ich und jeder solche Butter machen: Denn weil das Salz schwerer ist, als das Wasser; so braucht man nur ein Stück Butter stark zu salzen, um zu verursachen, daß es sogleich untergeht, wenn es ins Wasser gelegt wird, Es ist fast nicht zu zweifeln, daß nicht listige Menschenfeinde sich dieses Mittels bedient haben, diesen oder jenen in den Augen anderer verdächtig zu machen: daher muß man sich wohl hüten, von andern die so sehr beleidigende Meinung zu fassen, als ob sie hexen könnten, wenn auch Anzeigen vorhanden wären, welche man sonst für Merkmale der Hexerei hält. Die Katzen hält man für diejenigen Thiere, in welche die Hexen sich am leichtesten verwandeln könnten. Man fürchtet die Katzen, die man besonders des Abends sieht; weil man glaubt, es könnten Hexen seyn; ob man gleich weiß, daß diese Thiere am liebsten des Nachts ihrem Raub nachgehen, weil sie da von Hunden und andern nicht gejagt werden. Wo in und an einem Hause die Katzen sich häufig beißen, da soll es nicht ganz richtig seyn; denn in dieser Gestalt glaubt man, machten die Hexen sich einander Visiten: Aber so wär ja das Reich unter sich selbst uneins; denn die Katzen beißen sich! Alte Matronen, die sich der Welt entziehen und einsam leben, weil ihnen ihre Freunde gestorben sind, halten es am Ende mit den Katzen, die ihnen gemeiniglich sehr vertraulich sind. Man hält ohnedem die alten Weiber in einem gewissen Verdacht; kommt dieß noch dazu, so sind sie gewiß – Hexen. Wer kennt nicht das große Fest, das die Hexen in der verrufenen

 

Walpurgisnacht

 

auf dem berüchtigten Blocksberg halten sollen? Es ist fast nicht nöthig, zu sagen, wie sie ihre Reise dahin anstellen, und auf was für Art sie sich dort belustigen; denn wem sollte dieß unbekannt seyn? Ein Besenstiel, ein Spinnerocken, eine Ofengabel, ein schwarzer Bock, worauf sie sich setzen, führt sie durch den engen Schlott, hoch durch die Lüfte, schnell an jenen Ort, wo der Teufel ihrer erwartet. Er sitzt nach der sehr lächerlichen Meinung der Abergläubischen auf einem erhabenen Ort, um ihn her tanzen die Hexen mit Teufeln, die sich zum Theil in Thiergestalten verwandelt haben, in einem Kreis herum. Die Musik wird ebenfalls von teuflischen Thieren besorgt. Wenn denn herrlich geschmauset, Beelzebub die Huldigung eingenommen, und sich aufs neue von der Treue seiner Verehrer versichert hat; so kehrt die Unholdsschaar auf eben die Art zurück, wie sie gekommen war. In der Mitternachtsstunde von elf bis zwölf Uhr muß alles geschehen.

 

Wenn Menschen und Vieh von Krankheiten befallen werden, die man nicht sobald heilen kann; so glaubt der Einfältige gleich, es sey durch Hexen geschehen. Listige Betrüger machen sich dieß zu Nutze und geben vor, sie könnten die Hexerei wieder vertreiben: geben daher dem Kranken Kräuter ein, oder machen allerhand Possen, die oft mehr schaden als helfen. Wenn nun unterdeß die Natur sich selbst hilft; so heißt es, der oder die hat das gethan, und man nennt ihn oder sie Hexenmeister und Hexe. Sie sehen dieß gern, wenn sie gleich nicht öffentlich so geheißen seyn wollen; denn sie lassen sich dann ihre Künste von andern theuer bezahlen, leben davon gut, und lachen über die Dummheit anderer. Der alberne Glaube an Hexen stammt aus dem Heiden- und Judenthum her, und beruht auf lauter Lug und Betrug. Es giebt nämlich gewiße Kräuter, welche den Menschen so betäuben, daß er in einen tiefen Schlaf fällt, worin er so lebhafte Träume hat, daß er selbst glaubt, es sey alles wahr. Vor Zeiten gab es Betrüger, die solche Kräuter kannten. Wenn sie nun irgend eine Absicht erreichen, und andere ums Geld bringen wollten; so schwatzten sie ihnen vor, daß man durch Zauberei reich werden, und überhaupt alles erlangen könne, was man nur wolle. Bekamen diese Lust dazu, so erzählten sie ihnen, was dabei vorgehen müße: Daß man sich dem Teufel mit seinem Blut verschreibe, daß man umgetauft werde und dabei einen Pathen bekomme; daß hernach jede Hexe einen Geist zum Bräutigam, und jeder Hexenmeister eine Geistinn zur Braut bekomme; daß auf Walpurgis die ganze Hexenzunft einen prächtigen Schmaus mit Musik und Tanz auf dem Blocksberg halte, und dergleichen albernes Zeug mehr. Sie nannten auch wohl einen und den andern, der schon dabei wär. Wenn nun der Walpurgisabend kam; so gaben sie vor, man müße dazu vorbereitet werden, gaben ihm von solchen Kräutern, davon er lebhaft träumte, bestrichen ihn hie und da mit einer Salbe, und suchten überhaupt seine Einbildungskraft auf alle Art zu erregen, und ihm die ganze Sache gewiß zu machen. Weil aber die Weiber am geneigtesten zu solchen Gaukeleien sind und sich leichter überreden und irre führenlassen, so probirte man das vornehmlich mit ihnen. Eine solche Frau träumte dann in der Nacht von dem, wovon ihre Seele so voll war, wie es bei Träumen gewöhnlich geschieht. Da dünkte es ihr, als ritte sie auf einem Besen, oder einer Ofengabel durch die Luft und tanze auf dem Blocksberg, wo der Teufel in Bocksgestalt erschien. Erwachte sie nun wieder, so glaubte sie, es sey alles wahr gewesen, erzählte dieser und jener Vertrauten, besonders wenn sie dieselbe auf der Teufelshochzeit gesehen haben wollte, wie alles zugegangen sey, und gab ihr auch von der Hexensalbe. Diese, wenn sie gleich nichts davon wußte, wagte es entweder nicht, sich zu rechtfertigen und Anzeige davon zu thun; oder sie wünschte an diesem Fest Antheil nehmen zu können. Kam nun die erwartete Nacht, so beschmierte sie sich auch mit Salbe, und glaubte und träumte nun wie jene. Dies durfte nur einmal geschehen, so war die Sache gewiß, und so wurden manchmal die meisten Weiber in einem Dorf für Hexen gehalten; vielleicht glaubten sie es selbst, ohne übrigens zu wissen, wie es eigentlich damit zugieng. Ergaben sie sich dann vermeindlich geheimen Künsten; so war nichts gewißer, als daß sie die Hexen wären und in der Walpurgisnacht auf den Blocksberg reisten. Und dieser Glaube gieng von Haus zu Haus, von einem Ort zum andern immer weiter, Der Pabst, die Bischöfe und andere Geistliche, welche davon hörten, meinten endlich auch, es sey wahr, und verboten das Hexen und Zaubern bei Lebensstrafe; reizten auch wohl die weltliche Obrigkeit, diejenigen zu bestrafen und zu verbrennen, welche für Hexen gehalten würden. Wenn daher eine solche unglückliche Person in den Verdacht kam, daß sie eine Hexe sey; so marterte man sie auf der Tortur so lange, bis sie sagte; Ja, sie wär eine. Dann marterte man sie wieder, daß sie ihre Bekannte angeben sollte, die mit ihr auf dem Teufelsschmaus gewesen wären. Da nannte denn die arme Gemarterte in der Angst solche, die sie bisher selbst für verdächtig gehalten hatte. Diese wurden auch gefangen genommen, und so lange gemartert, bis sie von Schmerzen sinnlos gemacht, sich schuldig bekannten, um nur von der Quaal erlöst zu werden: Und nun führte man sie alle auf den Scheiterhaufen. Es geschah auch wohl, daß eine ohne Marter aussagte, was und wie es die Richter wissen wollten, und bestärkte diese in der Einbildung, daß alles wahr sey. So sind vor Zeiten tausend unschuldige Menschen um der Hexerei willen gemartert und ums Leben gebracht worden, wovon sie doch nichts wußten.

 

Oder ist nicht die Sage von dem jährlichen Hexentanz auf dem Blocksberg vielleicht auf folgende Art entstanden? Die Schäfer in jenen Gegenden sollen ehedem den Tag vor Walpurgis festlich zugebracht, und oft bis in die Nacht fröhlich gewesen seyn und getanzt haben. Da man nun in der Entfernung Lichter und hüpfende Bewegungen auf dem Berg sah, welches man sich nicht erklären konnte, so gerieth man auf allerhand, unter andern auch auf die sonderbare Meinung, daß es etwas übernatürliches, Hexen, mit ihnen der Teufel u.s.w. sey; welches sich von Mund zu Mund immer weiter verbreitete.

 

Ich war einst selbst auf dem Blocksberg; man zeigte mir den Hexenaltar und die Teufelskanzel, zwei große Steinhaufen, aus großen Platten und zum Theil langen Stücken, ohne Ordnung zusammengelegt, die kaum eines Menschen Kraft zu bewegen im Stande ist. Sie haben eine Art von Form, die, wenn große Erwartungen und Einbildungskraft dazu kommen, regelmäßiger scheinen. Das Ungeheuere der Steinstücken bewegte den Dummen, zu glauben und zu sagen, daß der Teufel sie wohl dahin gewälzt habe, und die andern ruften es nach: So wie man denn überhaupt geneigt ist, dem armen Schwarzgehörnten alles zuzuschreiben, was blöden Augen unerforschlich ist. Ich suchte auch den berüchtigten Platz, auf dem die Hexen in der Walpurgisnacht tanzen sollen, fand aber keinen, wo sie es könnten, ohne über Steine zu stolpern. Die höchste Spitze des Brockens, die etwa eine kleine halbe Stunde im Umfang begreift, ist mit einem Stein bezeichnet; (vermtuhlich der Stein, auf welchem der teuflische Bock sitzt, wenn die Hexen um ihn tanzen) rings um denselben wächst etwas Gras und Moos, auf dem übrigen Platz aber nichts. Die Ursach davon wird in der jährlichen Zusammenkunft des Teufels und seiner Verehrer gesucht; aber er würde gewiß eben so, wie der übrige Berg bewachsen seyn, wenn er nicht von denen, die Reisende dahinauf begleiten, gereinigt würde; Denn er bekommt dadurch das Ansehen der Seltenheit; die Neugier der Fremden, diesen Platz zu sehen, wird vermehrt, und man erwartet größern Lohn. Also auch Gewinnsucht erhält den Aberglauben? So gewiß und ausgemacht ungegründet nun auch jene Meinungen aus der Walpurgisnacht sind; so hat man doch Mittel erdacht, sich vor dem damit verbundenen schädlichen zu sichern. Man muß, sagt der Abergläubische, Abends vor Walpurgis an alle Thüren und überall, wo man etwas verwahrt, drei Kreuze anschreiben, und über die Felder mit Röhren hinschiessen, damit die Hexen keinen Theil daran haben, oder Schaden thun. Hätten der Teufel, und wenn es Hexen geben könnte, diese die Macht, Schaden zu thun; so würden sie sich nicht daran kehren, wenn man auch das ganze Haus, alle Thüren und sich selbst mit Kreuzen übermahlte. Wir haben ja zu allen Zeiten so viel Kreuze an uns, und machen fast bei allen Beschäftigungen diese Figur, daß wir nicht nöthig haben würden, sie mit Kreide zu mahlen, wenn sie anders etwas helfen könnten, oder etwas da wäre, wogegen wir uns durch sie zu sichern Ursach hätten. Fast alle Kleidungsstücke bestehen aus kreuzweis über einander gehenden Fäden; der Holzsäger beschreibt die Figur eines Kreuzes u.s.w. Und noch einmal, wenn es Hexen geben könnte, die auf den Blocksberg reisten, so würde ja ihr Weg doch nicht durch alle Häuser und Kammern gehen?! Und sollten sich die Hexen auch wohl in hoher Luft vor dem Schießen fürchten dürfen? Außerdem aber soll ja die Hexenfahrt nach der Meinung des Abergläubischen selbst schnell gehen; wie könnten sie sich mit Verderbung der Felder, mit Stehlen x. aufhalten? Um die Hexen zu sehen, sagt ein solcher, müsse man sich in der Walpurgisnacht ganz nackend auf den Rücken auf einen Kreuzweg hinlegen. Wer aber hat dieß je probirt und je etwas gesehen ?

 

 

Quelle: Johann Georg Friedrich Jacobi: Das Buch vom Aberglauben, Mißbrauch, und falschen Wahn - Kapitel 41, aus dem Jahr 1790

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